Rechenwege – hier ist (fast) alles erlaubt

Individuelle Rechenwege im Zahlenbuch, Klasse 1

In einer 1. Klasse im Mathematikunterricht einer Grundschule: Sie stellen die Aufgabe 8 + 4. Wie gehen Ihre Schüler und Schülerinnen vor?

Rechenwege – unser Link Tipp

Herr Buddenbohm beschreibt in seinem Beitrag „Mathe, Deutsch, Nerds, Bären“ dieses Erlebnis und die verschiedenen Reaktionen der Erwachsenen darauf: Sohn II wusste die Antwort, allerdings hat er hat aus 8+4 im Kopf 16-4 gemacht, weil er es so einfacher fand.

Muss man sich über die mathematische Zukunft dieses Kindes Sorgen machen? Darf man diesem Kind als Lehrkraft sagen „Das Ergebnis ist zwar richtig, aber rechne das nächste Mal bitte wieder mit dem Zehnerübergang[1]„? Nein, natürlich nicht. Denn der junge Mann hat hier Großes geleistet: Er hat erkannt, dass die Aufgabe schwierig ist (klar, es kommt ja ein Zehnerübergang vor) und hat eine passende Aufgabe gewusst, die er stattdessen rechnen kann. (Ganz wunderbar finde ich übrigens, dass Herr Buddenbohm sich nicht nur mit dem Ergebnis zufrieden gegeben hat, sondern auch gefragt hat, wie Sohn II das gerechnet hat (oder sagt Sohn II das ganz ungefragt?).
Und zu guter Letzt hat er auch noch richtig gerechnet.

Ein wesentliches Ziel des Mathematikunterrichts ist es verschiedene Rechenwege zu entwicklen, kennen zu lernen und auszuprobieren. Diese Wege gilt es dann flexibel und aufgabenadäquat anzuwenden. Dafür ist ein gutes Zahlverständnis und ein „mathematischer Blick“ für die Zahlen wichtig. Da Kinder unterschiedlich denken, sollte es ihnen auch gestattet sein, individuelle Lösungswege zu gehen.
Probieren Sie es doch einmal selbst: Wie lösen Sie die Aufgabe 602-597? Rechnen Sie schriftlich (weil Sie es in der 3. Klasse so gelernt haben)? Greifen Sie reflexartig zu Taschenrechner/Smartphone? Oder fällt Ihnen ein anderer Weg ein?

Umgang mit Fehlern

Nur das Ergebnis zählt? Nein, auch das nicht. Denn damit verliert man die Problemlösung aus dem Blick, und diese zeigt wo der Schüler oder die Schülerin gerade steht, wo seine Probleme oder Stärken hat, wie flexibel sie mathematische Probleme lösen können.  Besprechen Sie mit ihrer Klasse die verschiedenen Rechenwege, visualisieren sie mit Plättchen. Lassen Sie die Kinder andere Rechenwege beschreiben und erklären.
Was meinen Ihre Schüler und Schülerinnen, welcher Rechenweg ist einfacher bei dieser Aufgabe? Wir sind gespannt.

[1] Der „klassische Zehnerübergang“ sieht folgendes vor:
Schritt 1: Wie viel fehlt von 8 bis 10? 2
Schritt 2: 4 zerlegen in 2 und wieviel? 2
Schritt 3: 8 + 2 = 10
Schritt 4: 10 + 2 = 12

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